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Abel, Andrea & Stuflesser, Mathias & Putz, Magdalena (Hg.)(2006): Mehrsprachigkeit in Europa: Erfahrungen, Bedürfnisse, Gute Praxis/Plurilinguismo in Europa: esperienze, esigenze, buone pratiche Multilingualism across Europe: Findings, Needs, Best Practices. Tagungsband/Atti del convegno/Proceedings. 24.–26. August 2006. Bolzano/Bozen: EURAC.
In diesem Tagungsband sind Beiträge zu den Themen Sprachenlernen und Motivation, Sprachdidaktik, Förderung und Sensibilisierung des Sprachbewusstseins, Status und Prestige von Sprachen, Sprache und Recht und Anthropologische Ansätze zu Sprache und Evolution zusammengestellt, die auf der  internationalen Konferenz „Mehrsprachigkeit in Europa“ (Aug. 2006, Bozen) von ExpertInnen aus Sprachwissenschaft, Sprachdidaktik und Sprachpolitik diskutiert wurden. Aus der Perspektive verschiedener europäischer Länder (Frankreich, Italien, Belgien, Deutschland, Österreich, Schweiz, Ungarn) befassen sich die Beiträge unter anderem mit folgenden Fragen: Wie entsteht Motivation beim Sprachenlernen? Was sind die Bedürfnisse europäischer Regionen im Bereich der Mehrsprachigkeit? Wie können jüngste Erfahrungen und Ergebnisse der Sprachlernforschung in andere Regionen übertragen werden? Welches Potential an Mehrsprachigkeit steckt noch in den europäischen Regionen?


Boeckmann, Klaus-Börge (2008), Drei Halbwahrheiten über Zweitsprachen.Erziehung und Unterricht. Österreichische Pädagogische Zeitschrift, 158: 1-2, 21-28.
      In letzter Zeit wird der Zweitspracherwerb von MigrantInnen verstärkt diskutiert. Dieser Beitrag versucht, den Zweitsprachenbegriff zu klären und drei Halbwahrheiten über Zweitsprachen zu korrigieren. Abschließend werden Vorschläge zur Verbesserung der Förderung des Zweitspracherwerbs gemacht.

Boeckmann, Klaus-Börge (2008), Mehrsprachigkeit und Migration: Lässt sich sprachliche Assimilation wissenschaftlich rechtfertigen? Zielsprache Deutsch. Eine internationale Zeitschrift für Deutsch als Fremdsprache/ Deutsch als Zweitsprache, 35: 1, 3-22.
      In diesem Beitrag wird zunächst auf der Grundlage der Hypothesen von Jim Cummins die in der Mehrsprachigkeitsforschung weitgehend unumstrittene Rolle der Förderung von Mehrsprachigkeit von Kindern mit Migrationshintergrund dargestellt. Diese wird mit neueren Tendenzen in der deutschen Soziologie gegenübergestellt, die v.a. mit ökonomischen Argumenten sprachliche Assimilation befürworten - diese Position wird als "Glottophagie" bezeichnet. In der Folge werden verschiedene problematische Aspekte der Glottophagie untersucht und abschließend versucht, einen Minimalkonsens zu formulieren, der für beide Seiten in der Kontroverse akzeptabel ist.

Cummins, Jim (1982):  Die Schwellenniveau und die Interdependenz-Hypothese: Erklärungen zum Erfolg Zweisprachiger Erziehung. In Swift, James (Hg.): Bilinguale und multikulturelle Erziehung. Würzburg: Königshausen + Neumann.
Dieser Aufsatz von Jim Cummins gehört zu den Forschungsgrundlagen und zu den häufig zitierten Abhandlungen auf dem Gebiet des Mehrsprachigkeitserwerbs. Im Mittelpunkt dieser Veröffentlichung steht die zentrale These, dass die kognitive Basis für den vollständigen Erwerb einer Zweitsprache nur durch adäquate Fähigkeiten in der Erstsprache erzielt werden können. Zur Untermauerung seiner These verbindet Cummins hier zwei Hypothesen miteinander: Die „Inter¬dependenz¬hypothese“ besagt, dass die Entwicklung von Zweitsprachkompetenzen teilweise durch die bereits erworbenen Kompetenz in der Erstsprache realisiert wird, wenn es zu einem intensiven Kontakt mit der Zweitsprache kommt. Die „Schwellenniveauhypothese“ geht davon aus, dass bilingual aufwachsende Kinder bestimmte Niveaustufen linguistischer Kompetenz in beiden Sprachen erreichen müssen, um kognitive Nachteile zu vermeiden und die vorteilhaften Aspekte von Zweisprachigkeit kognitiv nutzbar zu machen. Auf der Basis dieser beiden Thesen stellt Cummins ein Modell bilingualer Erziehung vor, dessen Bildungserfolge auf die Berücksichtigung des Zusammenspiels sozialer, linguistischer und pädagogischer Faktoren zurückgeführt werden können.
 
Ehlich, Konrad (2005): Anforderungen an Verfahren der regelmäßigen Sprachstandsfeststellung als Grundlage für die frühe und individuelle Förderung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund. Bonn [u.a.]: Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Der Aufsatzband gibt eine Übersicht über verschiedenste Diagnoseverfahren aus Deutschland, Schweden, Österreich und den Niederlanden, mit denen der Sprachstand von (einsprachigen und mehrsprachigen) Kindern gemessen werden kann, um gezielte Fördermaßnahmen für den Spracherwerb entwickeln zu können. Besonders hingewiesen sei auf den Aufsatz des Herausgebers Konrad Ehlich, der u.a. einen Überblick über die linguistischen Erkenntnisse und Forschungen in Bezug auf die Zwei- und Mehrsprachaneignung von Kindern und über die verschiedenen Forschungsdesiderata im Bereich Sprachstands- bzw. Förderdiagnostik gibt. Auch der Aufsatz von Hans H. Reich ist sehr informativ in Bezug auf den Forschungsstand und die Inhalte von Migrationslinguistik bzw. Migrationspädagogik. Weitere Aufsätze z.B. von Krumm, van den Bergh/ ten Thije und Garme beziehen sich auf die Methoden der Sprachdiagnostik der Länder Österreich, Niederlande und Schweden als Grundlage für einen internationalen Erfahrungsaustausch.

Weskamp, Ralf (2007): Mehrsprachigkeit: Sprachevolution, kognitive Sprachverarbeitung und schulischer Fremdsprachenunterricht. Hannover: Schroedel-Schulbuchverlag.
Ralf Weskamp legt mit seiner Publikation einerseits eine Einführung in das komplexe Thema Mehrsprachigkeit vor und gibt zum anderen einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung auf den Gebieten der Psycho- und Neurolinguistik, der Fremdsprachenerwerbsforschung und der Fremdsprachendidaktik. Nachdem Weskamp die vorherrschende gesellschaftliche Sicht auf Mehrsprachigkeit in Deutschland kritisch dargestellt und mögliche evolutionsbiologische und kulturelle Einflüsse für die Entstehung von Sprache genannt hat, wendet er sich neurolinguistischen Erkenntnissen zu und beschreibt die funktionale Organisation von Sprache und Sprachen im Gehirn. Er erläutert die unterschiedliche Faktoren, die zu einem Sprachlernerfolg führen und stellt verschiedene „Prinzipien des Spracherwerbs im Klassenzimmer“ näher vor. In einem zweiten Schritt stellt gibt er einen Einblick in seine empirische Studie und zeigt damit praktisch auf, wie diese Prinzipien im Englischunterricht einer deutsch einsprachigen gymnasialen Klasse erfolgreich angewendet wurden.

Lehtinen, K. 2006. Maahanmuuttajataustainen oppilas äidinkielen ja kirjallisuuden tunneilla. In S. Grünthal & J. Pentikäinen (Hrsg.) Kulmakivi. Luokanopettajan äidinkieli ja kirjallisuus. Otava. 84–103.[Schüler mit Migrationshintergrund im Muttersprachen- und Literaturunterricht]
Der Artikel behandelt pädagogische Fragen bezüglich Schülern mit einer anderen Muttersprache als Finnisch im Finnischunterricht. Wie kann man Sprachfertigkeiten evaluieren, wie lehrt man Sprache über Literatur und wie kann man die Lerner dabei unterstützen, ihr Vokabular zu erweitern.

Coste, Daniel 2008: Éducation plurilingue et langue de scolarisation. Les Cahiers de l'Acedle, volume 5, numéro 1, 2008, S.91-107
Diese Publikation untersucht die Bedeutung von Plurilingualität im Klassenzimmer. Dabei wird v.a. die Rolle der Schulsprachen in Zusammenhang mit den anderen im Schulsystem vorhandenen Sprachen betrachtet.

Belke, Gerlind 2008: Elementare Literatur als Grundlage interkultureller sprachlicher Bildung. In Härle, Gerhard & Rank, Bernhard (Hg.): "Sich bilden, ist nicht anders, als frei werden": sprachliche und literarische Bildung als Herausforderung für den Deutschunterricht. Schneider-Verl. Hohengehren, 2008
Belke beginnt ihren Vortrag mit einem kurzen Überblick der Leitideen des Muttersprachenunterrichts in Deutschland. Die Vermittlung von CALP (cognitive-academic language proficiency/ kognitiv-schulische Sprachbeherrschung) für alle Kinder sieht sie als Hauptaufgabe des schulischen Sprachunterrichts in der Mehrheitssprache. Dabei kann elementare Literatur (Kinderreime usw.) gute Dienste leisten, denn diese ermöglichen eine Verknüpfung von relativ festen Strukturen mit Inhalten, die für jedes einzelen Kind relevant sind. Durch die Verwendung von Gedichten und Reimen mit sich wiederholender Struktur, können auch Kinder, deren Muttersprache nicht die Mehrheitssprache (Deutsch) ist, ihren natürlichen Spracherwerb durch diese gezielte und fördernde Sprachvermittlung entwickeln. Überdies sind gerade Kinderreime (fast) eine kulturelle Universalie, wodurch sich auch der Aspekt der interkulturellen Literatur (Reime aus verschiedenen Kulturkreisen, die ein jeweils anderes Weltwissen ansprechen) in den Unterricht eingebracht werden. Die Autorin hat ihre wichtigsten Grundsätze in 10 Thesen zusammengefasst, die hier als pdf abrufbar sind: http://www.kompetenzzentrum-sprachfoerderung.de/fileadmin/user_upload/GerlindBelke-10Thesen.pdf

Gogolin, Ingrid 2006: Mehrsprachigkeit undn plurikulturelle Kompetenz. In: Nicklas, Hans & Müller, Burkhard & Kordes, Hagen: Interkulturell denken und handeln:theoretische Grundlagen und gesellschaftliche Praxis. Campus, S. 181-188
Gogolin verweist darauf, dass das neuhumanistische Bildungsziel noch keine Unterscheidung traf zwischen "Muttersprachen-" und "Fremdsprachenunterricht". Dahin müssen wir heute zurück und sprachliche Bildung nicht nach Einzelsprachen aufteilen, sondern als Gesamtheit verstehen. Dadurch werden Sprachen, die SchülerInnen mit in den Unterricht bringen, effektiver Teil der sprachlichen Bildung aller.

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